Ostergüße aus einer verrückten Gegend:
Es gibt Fotos!! ![]()
Erstmal könnt ihr euch glücklich schätzen mit dem Ostermontag – ich war heut schon in der Uni. Dafür hatte ich aber zumindest letzte Woche Ferien und habe sie intensiv genutzt:
Zuerst war ich mit meiner Mitbewohnerin Quintana in ihrem Heimatort: wir haben Freunde von ihr getroffen, sie hat mir die ganzen Sehenswürdigkeiten ihres Ortes gezeigt – es gab ganz schön viele für so einen kleinen Ort – ich hab ein bisschen die Familie kennen gelernt usw.
Das war ein gediegener Start in eine erlebnisreiche Woche, denn gleich danach stand Sevilla auf dem Plan, aber „normaler Tourismus“ war praktisch unmöglich. Als wir dort ankamen und unsere Rucksäcke zur Jugendherberge schafften, sahen wir immer wieder merkwürdige Gesalten mit einer Art Zipfelmütze auf dem Kopf, die irgendwie an eine angsteinflößende „Organisation“ in Amerika erinnert.

Am Nachmittag war die Stadt völlig dicht. Menschen, Menschen, Menschen, die alle am Palmsonntag die Prozessionszüge, zu denen die Spitz-Mütz-Menschen ebenfalls gehörten, bestaunen wollten. Ein Prozessionszug setzt sich meist zusammen aus den sog. Büßern (die Mützen), einem Spielmannszug, manchmal einigen Kreuzträgern und schwarzgekleideten Frauen, einigen Brüdern in Talaren und einer Figur des Schutzpatrons der jeweiligen Geimeinde – und das hört sich banal an: diese Figur wiegt mit dem Gestell, auf dem sie steht, mindestens 3t. Das sind 3000kg (:-)). 3000kg, die von einigen muskulösen Männern stundenlang auf den Schultern durch die Gegend getragen werden.

Das Auf- und Absetzen des Heiligen ließ mich auch nach der achten Prozession, die wir in Sevilla gesehen hatten, noch staunen. Nicht, dass wir nichts anderes machen wollten, als den ganzen Tag Prozessionen anzugucken. Aber man kam schlichtweg nicht umhin. Die Stimmung in Sevilla war unbeschreiblich merkwürdig: eine Mischung aus tiefem, der Passion geschuldetem Ernst und ausgelassenem Volksfest. Am Montag Vormittag haben wir die paar Stunden Ruhe genutzt um uns die Kathedrale, den Torre del oro und ein paar charakteristische Stadtviertel anzuschauen, bevor es wieder mit vielen Menschen und Prozessionen losging. Das Wetter war genial und Sevilla kann auch mit einigen lustigen Details aufwarten: das rote Ampelmännchen steht (normal), aber das grüne läuft tatsächlich – es bewegt wirklich immer einen Fuß vor den anderen. Und darüber steht, wie viele Sekunden man noch hat um die Straße zu überqueren.

Von dem kurzen Aufenthalt in der Hauptstadt Andalusiens habe ich einen Sonnenbrand auf der Nase und eine Erkältung mitgenommen, die mich die nächsten zwei FERIENtage zu Hause hielt. Ich habe trotzdem einen Eindruck von der Semana Santa in Córdoba bekommen und es war doch etwas angenehmer als in der Riesenmenschenmenge in Sevilla, obwohl hier auch reichlich Volk auf den Straßen war.
Am Gründonnerstag bin ich in das Dorf meiner Mitbewohnerin (Carmen) gefahren und was ich dort erlebt habe, hat gegenüber Sevilla und Córdoba völlig den Rahmen gesprengt. Am Abend haben wir uns erst noch eine Prozession angeschaut und sind dann im Dorf feiern gegangen. Von einer Bar zur nächsten, zwischendurch immer noch die Leute in Büßertracht, denn Früh um 5 begannen alle Gemeinden nacheinander eine Prozession, die bis zum späten Nachmittag dauern sollte. Während Carmen nun also lief und lief, durfte ich mich um halb 7 zu ein paar Stunden Schlaf verabschieden. Wurde aber bald wieder geweckt um den Karfreitag mit einem Bier in der Sonne zu beginnen und dann bei einer Prozession mitzulaufen. Und da war nix mit Passion. Oder Anstand.

Wie auch immer – dieses Dorf ist jedenfalls total ausgeflippt. Ich weiß nicht, zu wieviel Bier ich genötigt wurde und ob Leute am nächsten Tag überhaupt noch eine Stimme hatten vom Gesinge. Ein betrunkener Mann, wenn auch sehr nett, hat mich zu seiner platonischen Liebe erklärt und wartet angeblich sehnsüchtig auf meinen nächsten Besuch in diesem krassen Dorf.
Als ich wieder in „meiner“ Stadt ankam, holte ich Sandra ab, die mir spontan ein bisschen Spremberg zu Ostern beschert hat, und seither rede ich mal wieder viel Deutsch und probiere mich als Übersetzer, weil das Englisch zumindest vieler Spanier von schlecht bis nicht vorhanden reicht
.
Sonst genießen wir das Leben…
Ich hoffe, der Text ist nicht zu unklar, aber so eine Karwoche ist nicht so leicht zu verarbeiten für meinen kleinen Kopf. Habt Nachsicht
!
Ich wünsche euch noch einen schönen Ostermontag und bald besseres Wetter,
bis zum nächsten Mal, eure tine
Der Mann sieht gar nicht betrunken aus. Jedenfalls nicht so richtig.
Aber ich schätze mal, das ist nicht der beschriebene?
Also: WER IST DIESER KERL?!
*lol*
Und: Wieso dürfen nur 13 Leute über die Straße gehen?
Fragen über Fragen…
UND: Wieso steht die Ampel so schief?
@Sylke
Die Ampel steht deswegen so schief, weil sie den Baum stützen muß.
Die „13″ sind die Sekunden, wie lange sie das noch schafft.
Ab „0″ wird das Männchen rot.
@Lady of spain,
Danke für die fotografistischen Impressionen.
Wie kriegen die auf dem 1. Fotto die Gewänder so schön weiß? Hattest Du Spee mit?
@marflow
> Wie kriegen die auf dem 1. Fotto die Gewänder so schön
> weiß? Hattest Du Spee mit?
Spee gibts doch jetzt auch im Westen. Spanien ist doch noch Westen, gelle? Jedenfalls politisch.
Außerdem sind die Gewänder nicht weiß, sondern mehr hellviolett-hellblau – also mehr ein lila-bleu („bleu“ ist französisch und wird „blöh“ gesprochen, also: „lila-blöh“)
Man sollte den Leuten sagen dass sie die Wäsche trennen müssen, damit sie nicht verfärbt. Man kann doch nicht dunkelblaue Kaputzen mit weißen Hemden waschen… tststs.
ich hab es geschafft, tine!!!! und das ganz alleine! super, oder:-)!?
como estas, cari~na? todo bién? como va la uni y como esta la gente en seat:-)?
hab von mittwoch bis sonntag ein seminar fuer jugendbetreuung im sommer mitgemacht und bin genommen worden, sodass ich mich evtl. bald auch auf spanische sonne freuen kann -grinsundfreu-
naechstes wochenende werd ich wieder nach erfurt pilgern und dich dort vermissen!
muchos saludos, un abrazo muy fuerte y todo lo mejor,
la amiga tuya,
jule.