Meine Stadt hat Fieber

„Wärmste“ Grüße aus dem Süden an meine treue Leserschaft!

Wieder ist ein Monat vergangen und es fällt mir immer schwerer, alles gut hier zusammenzufassen. Schnitt war ja bei der legendären Feria, also fang ich da auch wieder an: Ich war noch zweimal am Ort des Geschehens – ich wurde bestohlen und beschenkt, hatte ein ganz schönes Tief durch den Verlust meiner Tasche, habe mich aber schlussendlich mit einem Lächeln von dem Fest verabschiedet. Die Folgen dieser ereignisreichen Woche waren für mich schließlich auch interessant: ein Polizeibesuch und weitere Rennereien, ein Wochenende in der Hauptstadt Andalusiens, Anrufe und Planung eines Besuchs in der Deutschen Botschaft, Organisationsaufwand für Mami (DANKE!), Witze über Abschiebung und illegale Einwanderer, usw.

Zwischendurch hatte ich auch schon die ganzen Prüfungen (es steht nur noch eine aus), von denen ich bis jetzt (!:-)) alle bestanden hab. Ich hab auch eigentlich mehr Hausarbeiten geschrieben (in einem etwas verkorksten Spanisch sicherlich, aber was solls).

Im Juni sind weitere lustige Sachen passiert. Am Mittwoch,  11.06.,  wollte ich mal einkaufen gehen. DA WAR ABER NIX. Am Wochenende vorher schon ging es mit einem großen Streik der LKW-Fahrer in Spanien los, dessen Konsequenz war, dass die Supermärkte nicht so beliefert werden konnten wie sonst und die Leute vor Schreck am Anfang der Woche schon gebunkert haben wie verrückt. Ich betrat also den Supermarkt und es bot sich mir ein Bild, das für einen verwöhnten Europäer im Jahre 2008 eigentlich unverstellbar ist: leere Regale. Es gab noch Parfüm und Wein. Davon werd ich allerdings nicht so richtig satt. Ich bin den ganzen Supermarkt abgelaufen, um das mal richtig in mich aufzunehmen und musste die ganze Zeit lachen, obwohl ich ohne Gesellschaft war. Was kaufen die Leute, wenn nichts mehr da ist? Kein Fleisch. Keine Milch. Kein Brot. Nicht mal Taschentücher. In der WG haben wir uns natürlich einen Riesenspaß aus der Vorstellung gemacht. Klar, für uns ist das ja lustig. Wir brauchen in Wahrheit keine Angst zu haben, zu verhungern. Mir kam außerdem die witzige Vorstellung in den Sinn, dass ich hier eingeschlossen bin – in einem Land ohne Essen. Keine Papiere – kein Flug. Kein Benzin (nein, gab es auch nicht) – keine Rückfahrt. Haha. Jetzt gibt es aber soweit wieder alles. Nur ein bisschen teurer. Und Zapatero spricht von einer einjährigen Wirtschaftskrise, an der nix zu machen sei. So ist das – in der modernen Welt.

Die verrückteste Woche im Juni fing eigentlich mit einem Freitag an. Ich hatte bis Samstag Früh (14.06.) um 5 an einer Hausarbeit geschrieben, weil ich danach keine Zeit mehr gehabt hätte. Dann habe ich 2 Stunden geschlafen und dann ging es los nach Madrid, mit Jules, wieder für touristischen Zwecke. Als wir dort angekommen sind, haben wir erstmal ein bisschen gefroren, weil in Córdoba ja schon ein etwas anderes Klima angebrochen war. Das Hostel hatten wir direkt im Zentrum, was ziemlich bequem war. Am Samstag sind wir dann noch kreuz und quer durch die Stadt um einen ersten Eindruck zu bekommen und danach ging es ins Reina Sofía, wo das berühmte Guernica von Picasso hängt. Das Bild hat mir einen Schreck eingejagt: wenn man das eben nur von Abbildungen kennt, schätzt man die reale Größe nicht ein. Es ist seeehhhr groß – und beeindruckend. Am Nachmittag haben wir dann noch einen gewitzten Taschenraub beobachtet. Aber da kann ich ja auch nur noch mit den Schultern zucken :-/. Am Sonntag sind wir auf einen riesigen Markt gegangen mit ganz vielen süßen Ständen und so. Das war schön. Da hab ich mir ein neues Portemonnaie zugelegt, in dem aber immer noch nix gescheites drin ist – außer Kleingeld :-) . Von dort aus sind wir mit einem Typ aus Madrid losgezogen, den ich vorher in Sevilla kennen gelernt hatte und der zufällig Touri-Guide ist. Der hat auch noch einen Freund mitgebracht und die beiden haben uns dann ununterbrochen vollgequatscht über alles, was wir so abgelaufen sind an disem Tag. Ich war zum Schluss so müde, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte, um den Madrid-Slang des einen zu verstehen, sodass ich einfach nur noch so getan hab als ob. Das war zwar auch blöd, aber ich konnte einfach nicht mehr. Und da er viel Bier getrunken hatte, hat er es auch wahrscheinlich nicht gemerkt. Na ja. :-) . Am Montag bin ich erstmal zur Botschaft gestiefelt, leider aber ohne Papiere wieder hinausspaziert. Aber so war ich wenigstens mal kurz auf deutschem Territorium :-) ). Dann sind wir in den Königspalast gegangen und in den größten Park, den Madrid zu bieten hat. Am Abend haben wir natürlich das Deutschland-Österreich-Spiel angeschaut. In einem Irish Pub. In der spanischen Hauptstadt. Dienstag haben wir, wie es sich für die Mädels gehört, die Läden erkundschaftet, aber aus Budget-Mangel nichts gekauft. Am frühen Abend ging es zurück nach Córdoba. Ich bin in Córdoba gleich umgestiegen, um nach Sevilla zu fahren und dann erst Mittwoch Abend wieder in meine Stadt zurück gekehrt, um Rese zu empfangen. Was für eine Woche! Am Donnerstag sind die beiden weißen Deutschen dann nach Málaga gefahren. Dort haben wir ganz ruhig die Tage verlebt, mit Strand, Sonne, Stadt Angucken und ein bisschen Kultur: Kathedrale, Alcazaba und das Deutschland-Portugal-Spiel (ach, war das schön, gleich 2 Fans auf einen Haufen :-) ). Málaga hat mir echt gefallen. Der Strand ist zwar tatsächlich nicht der schönste, aber die Stadt kann sich doch schon sehen lassen. Samstag Nachmittag sind zwei gebräunte Deutsche wieder in Córdoba gelandet und da fiel uns nur noch eins ein: QUE CALOR!!!! 43°C hatte ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Die Sonne hat einen so niedergeschmettert, dass man sogar zum Sprechen keine Lust mehr hatte (was sehr merkwürdig ist bei Rese und mir). Am Abend sind wir erst zu Jules gegangen, weil es ihr Geburtstag war und danach sind wir dann mit ihr und zwei weiteren Italienern zur Noche Blanca del Flamenco. Dummerweise hatten auch viel zu viele andere Menschen das Bedürfnis sich die unterschiedlichen Spektakel in der Stadt anzuschauen und es war wahnsinnig voll und eben immer noch heiß. Schlussendlich haben wir eine nette Bühne gefunden, an der nicht so viel los war und sind danach auch schon nach Hause gegangen. Sonntag Abend noch eine Grillparty mit den Schauspielern und wieder wenig geschlafen, Montag Früh ein trauriger Abschied am Bahnhof von meinem ersten und letzten Erfurter Gast hier.

Seither verbringe ich den Großteil des Tages drin. Sobald ich die Prüfung geschrieben habe, werd ich mich auch aus dem Staub machen, denke ich. Ich muss noch Jules verabschieden, aber ansonsten hält mich ja hier nichts. Lieber im atlantischen Ozean schwimmen als hier dahinzuschmelzen!

Gestern hatten wir eine frisch geborene Fledermaus im Wohnzimmer. Die konnte noch nicht mal fliegen. Sah aus wie eine Mischung aus Frosch und Dinosaurier, nur grau und mit Haaren und ganz klein. Da sind alle auf die Stühle gesprungen vor Angst. Hihi.

Gestern Abend hat übrigens Spanien im Halbfinale gewonnen (ich weiß, dass ihr das alle schon wisst). Das wird ein sehr schlimmer Sonntag Abend für mich. So oder so. Ich werde mir mein Umfeld an diesem Abend sehr überlegt auswählen UND HOFFEN, DASS DEUTSCHLAND GEWINNT.

Nun dann. Einen Bericht macht sie bestimmt noch – bis dahin, genießt den Sommer, viel Kraft für anstehende Herausforderungen und jubelt am Sonntag beim FINAL DE LA EUROCOPA 2008 so laut, dass ich es hier unten höre (in dem Moment dürfte es ja still in Spanien sein:))!! Ich freu mich schon, euch alle bald wiederzusehen, eure tine

5 Responses

  1. Danke für den Bericht :-)
    Und das mit dem Organisationsaufwand… ich habe die Stunden aufgeschrieben, kannste mir dann in Eis abgelten wenn Du hier bist. Hier am Supermarkt steht immer ein Softeiswagen, der hat gaaanz leckeres Eis! Aber stell Dir vor: Ich habe erst zwei Mal welches gegessen diesen Sommer. Das macht mich stutzig…

  2. irgendwie fehlen hier noch Bilder…

  3. Oh oh – die fehlenden Bilder sind doch auch noch eine Folge der Feria. Seit gestern habe ich zwar eine neue Kamera, aber das hat wiederum zur Folge, dass ich jetzt absolut pleite bin – also das mit dem Eis….Ein Teufelskreis!! Ach, Mami, da wirste nicht froh mit den Gören :-) .

  4. Hi meine heiße Spanierin :)
    habe gerade meinen Briefkasten geöffnet und eine schöne Karte entdeckt – vielen lieben Dank dafür. Und dann fiel mir ein, dass ich schon lange nicht mehr im Blog war um zu lesen, was du so treibst. Schöööön :) lustig mit der Flamenco Geschichte und danke fürs Erwähnen :)
    Ich habe nun auch meinen Spanischkurs in der Schule mit ner 1 abgeschlossen…aber ich hab das Gefühl es nie anwenden zu können – eigentlich schade.
    Bald ist es soweit und du bist wieder da und das Versprechen, dass wir uns im Sommer öfter sehen, nehm ich beim Wort ;o)

    So eine 3/4 Stunde noch, dann gehts los mit dem spannenden Deutschland-Spanien FINAAAAALäääää. Wir sind gespannt und drücken Deutschland die Daumen! ;o) wir werden ganz laut schreien! ich denke die Fanmeile hört man bis Spanien – 500.000. Menschen!!!!! Marcel und ich bleiben zu Hause :) zuuuu viel Stress!

    Gut – fühl dich gedrückt!!!! und genieß die letzten spanischen Tage!!!!

    Charly

  5. QUE VIVA ESPAÑA!!!!! Wow, Tine du bist sicher immer noch am feiern, schließlich wars auch ein geiles Spiel also natürlich nur für die Spanier, die verdient gewonnen haben. Habe gleich meine deutschland Bemalung auf der wange in Spanien umgewandelt geht ja ganz schnell: schwarzer Strich weg, roten drunter ran :-) würd jetzt gern an deiner stelle sein! Wie lang bist du eigentlich noch dort? DAs mit deiner Tasche ist natürlich voll mies, aber muss man eben auch mal alles erlebt haben, um daraus zu lernen….ansonsten klingt natürlich alles mal wieder wunderbar, was du da berichtest ;-) meine prüfungen fangen next week erst an…bis bald hasta luego , besito

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